Bibliothekseinführung an der Hochschule

Digitale Bibliotheksrallye mit Actionbound – Spielerisch die Bibliothek entdecken oder die besondere Art der Bibliothekseinführung

Cynthia Lengler – Pädagogische Hochschule Thurgau

Sind Ihre Bibliothekseinführungen zu langweilig? Suchen Sie nach einer Möglichkeit, wie Ihre Bibliothek anders entdeckt werden kann? Wie wäre es mit einer digitalen Schnitzeljagd durch Ihre Bibliothek? Mit Actionbound kann jede Bibliothek selbst eine interaktive Rallye gestalten, die Benutzer und Benutzerinnen damit die Bibliothek spielerisch entdecken lassen und sie gleichzeitig an die wichtigsten Orte führen.

Was ist Actionbound?

Actionbound ist eine Lern-Anwendung, mit der digitale Erlebnis-Rallyes (so genannte Bounds) erstellt werden können. Auch ohne über Programmierkenntnisse zu verfügen, eröffnen sich Nutzerinnen und Nutzern mit Hilfe von Actionbound vielfältige Anwendungsmöglichkeiten und helfen BibliotheksmitarbeiterInnen beispielsweise dabei frischen Wind in Bibliothekseinführungen oder Recherchetrainings zu bekommen und so Kinder und Jugendliche aber auch Erwachsene zu begeistern. Je nach Rahmenbedingungen kann Actionbound auch dazu genutzt werden, einen Bound gemeinsam mit der Zielgruppe zu erarbeiten, wodurch der Lerneffekt noch erhöht wird. Auf den Prinzipien von Geocaching, Outward- und City-Bound aufbauend, bewegen sich die Spielerinnen und Spieler gemeinsam eigenständig von Station zu Station, dort erhalten sie Informationen und lösen Aufgaben. Die Spielanleitung erfolgt dabei mit Hilfe der Actionbound-App. Die Anwendung versteht sich als moderne Version der „City Bound“-Methode. Historisch gesehen entstand City Bound als erlebnispädagogisches Instrument für den urbanen Raum der 80er Jahre (vgl. Deubzer 2010, S. 13). City Bounds wurden als Möglichkeit betrachtet, „Abenteuer“ in den urbanen Raum zu bringen. Nun besteht die Möglichkeit, die Bibliothek auf diese Art und Weise zu entdecken.

Erstellung eines Bounds

Actionbound ist eine App, mit der Handy- und Tablet-Rallyes erstellt werden können, mit der eine Gruppe Orte, eine Stadt, oder eben eine Bibliothek entdecken kann. Die Spielenden begeben sich auf eine digitale Schnitzeljagd, lösen dabei Rätsel, beantworten Fragen, scannen QR-Codes ein oder entdecken neue Orte und sammeln dabei Punkte.

Macht Spass: Actionbound für Handy- und Tablet-Rallyes zur Erkundung von Bibliotheken. Macht Spass: Actionbound für Handy- und Tablet-Rallyes zur Erkundung von Bibliotheken. Foto: Cynthia Lengler

Bibliotheksrallye

Das Schulungsteam der MDZ Bibliothek der Pädagogischen Hochschule Thurgau startete im August letzten Jahres einen Versuch, machte sich mit Actionbound vertraut und erstellte innerhalb einer Woche eine eigene Bibliotheksrallye. Das Video-Tutorial auf der Homepage www.actionbound.de zeigt, wie ein Bound angelegt werden soll. Ein Bound bezeichnet hierbei die interaktive Handy-Rallye. Bevor ein Bound entwickelt werden kann, muss auf der Homepage des Anbieters ein Account angelegt werden. Dann können sofort Fragen und Antworten im sogenannten Bound-Creator auf der Webseite formuliert werden. Alles Weitere ist sehr intuitiv in der Handhabung, auch für Anwender und Anwenderinnen, die keine Programmiererfahrungen haben.

Actionbound ist ideal für Gruppen bestehend aus je 2-3 Spielenden.

Vielfältige Vermittlung

Der Wettbewerbscharakter stärkt dabei die Motivation der Mitspielenden einen neuen Inhalt zu erlernen. Inhalte können in einem Bound auf unterschiedliche Arten vermittelt werden: es gibt Fragen mit Multiple-Choice Antworten, einfache Aufgaben, oder die Spielenden werden an einen gewünschten Ort gelotst, wo sie einen QR-Code einscannen. Der Bound muss aber nicht nur aus Fragen und Aufgaben bestehen, es können auch kurze Informationen, wie beispielsweise die Öffnungszeiten der Bibliothek eingebaut werden oder es kann auf ein kurzes Video verlinkt werden.

Ist der Bound fertig gestellt, hat man die Wahl ihn zu veröffentlichen, d.h. im Internet hat jeder/jede die Möglichkeit den Bound zu spielen, oder man macht ihn via QR-Code nur einer speziellen Gruppe zugänglich, wie z.B. einer Schulklasse.

Spielerische Förderung der Medienkompetenz: Mit Actionbound lassen sich verschiedene Vermittlungsformen realisieren. Spielerische Förderung der Medienkompetenz: Mit Actionbound lassen sich verschiedene Vermittlungsformen realisieren. Foto: Cynthia Lengler

Spieltrieb geweckt

Nach jeder Actionboundrunde (unser Bound dauert ca. 30 Min.) haben wir die Spielenden nach ihrer Meinung befragt und ausschliesslich positive Rückmeldungen erhalten. Das hat uns motiviert, die Bibliothekseinführungen nicht nur für die Studierenden als digitale Schnitzeljagd anzubieten, sondern für alle unsere Benutzergruppen. Tatsächlich konnten wir bei allen Altersgruppen den kindlichen Spieltrieb wecken und es zeigte sich bei vielen ein Funkeln in den Augen.

Ein wichtiger Nebeneffekt - von uns eigentlich zu Beginn gar nicht beabsichtigt – ist der Beitrag, den wir auf diese Art zur Förderung von Medienkompetenz leisten: auf spielerische Art und ohne Zwang wird der Umgang mit einem Tablet erlernt und die Teilnehmenden entdecken ein Tool, das sie selber für eigene Medienbildungs-Projekte in Schule oder Freizeit nutzen können.

Spielerische Förderung der Medienkompetenz: Mit Actionbound lassen sich verschiedene Vermittlungsformen realisieren. Foto: Cynthia Lengler

Erfahrungen

Durch das Spielen steigt der Lärmpegel in der Bibliothek etwas. Zu Semesterbeginn ist die Anzahl der intensiv lernenden Studierenden noch gering, weshalb wir unsere Bibliothekseinführungen dann problemlos mit Actionbound durchführen können.

Diese neue Art Bibliothekseinführungen durchzuführen macht nicht nur unseren Bibliotheksbenutzenden Spass, sondern auch dem Bibliothekspersonal. Wissen, das selbst erarbeitet wird, bleibt länger erhalten, deshalb erhoffen wir uns durch diese Form eine gewisse Nachhaltigkeit. Genauso wichtig ist uns, dass die neuen Benutzer und Benutzerinnen die Bibliothek aktiv nutzen und wissen, wo sie Auskunft erhalten.

Ich hoffe, dass damit Ihr Interesse geweckt wurde und wir Nachahmer und Nachahmerinnen finden. Über ein Feedback würde ich mich sehr freuen.

Lust zu spielen? Unser Bound darf gespielt werden: Gratis-App Actionbound herunterladen Bound finden > Suchen > „mdz“ eingeben Nach unten scrollen und den Bound „Test Bibliothek“ anwählen Nach unten scrollen und Start drücken Beim Testbound müssen die Fragen nicht richtig beantwortet werden um weiter zu kommen Idee und Umsetzung: Barbara Rossbacher und Cynthia Lengler


Dieser Beitrag ist Teil von „Die Bibliothek spielerisch entdecken mit der Lern-App Actionbound “. Ein Inhaltsverzeichnis finden Sie hier.

88x31.png „Die Bibliothek spielerisch entdecken mit der Lern-App Actionbound“ von Simon Zwick, Cynthia Lengler, Ilka Hamer, Annette Güzelmeriç, Eugenie Schatz, Dörthe Wiethoff, Florian Küpper, Christoph Deeg ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Kommentare

Bettina Bernasconi
Liebe Frau Lengler, im Sommer dieses Jahres haben Sie in einer Fortbildung in Bern dieses Tool vorgestellt. Ich war sofort begeistert. Seit 8 Jahren organisieren wir für die RWI-Bibliothek (Universität Zürich) am Erstsemestrigentag für rund 600 Studierende eine Bibliothekseinführung (35 Minuten, 6 x 100 Personen). Verschiedene Konzepte über die Jahre hinweg wurden von uns entwickelt, wir waren aber nie ganz zufrieden, und dieses Jahr haben wir nun diese App zusammen mit einem Wettbewerb angewendet. Endlich ein Tool, welches auch bei grossen Zahlen von Teilnehmern angewendet werden kann und garantiert keine Langeweile verspricht. Es ist tatsächlich so, dass die Erstsemestrigen frisch fröhlich durch die Bibliothek wuselten, engagiert, motiviert und sogar ambitioniert waren. Wir Bibliotheksmitarbeitenden waren nach einer kurzen Einführung betreffend der Anwendung dieses Boundes präsent, aber nach der ersten Anspannung, ob auch wirklich alles klappt, insbesondere in Anbetracht der grossen Teilnehmerzahlen, konnten wir die gute Stimmung zusammen mit den Anwendenden geniessen. Das erste Mal können wir etwas auswerten, sehen, wo die Studierenden tatsächlich stehen und aufgrund dessen verbessern und unser Angebot weiterentwickeln. Die Planung und die Vorbereitungen im Vorfeld sind nicht zu unterschätzen, immerhin hatten wir 50 verschiedene Bounds. Es empfiehlt sich, sehr koordiniert vorzugehen und alles zu dokumentieren, aber danach ist der Aufwand der Verbesserungen und der Weiterentwicklung überschaubar. Für mich hat es sich gelohnt, in diese Form von Bibliotheksführung zu investieren - vielen Dank für Ihren Input und das Teilen Ihrer Idee! Herzlich, Bettina Bernasconi (Fachreferentin Bibliothek RWI, UZH)

 

von Simon | | Bibliothek Rallye Bibliothekseinführung Bücherei

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