Wann hast du das letzte Mal etwas wirklich Neues gelernt – und weißt es heute noch? Mit dieser Frage haben wir unseren Vortrag auf der LEARNTEC 2026 eröffnet. Wie im letzten Jahr sind die Zuhörer:innen wieder zahlreich dabei gewesen: volle Reihen, viele Gespräche und vor allem ein gemeinsames Interesse an der Frage, wie Lernen gestaltet sein muss, damit es langfristig wirkt. Denn obwohl wir täglich von Informationen umgeben sind, bleibt erstaunlich wenig dauerhaft hängen – nicht aufgrund persönlichen Versagens oder mangelnder Motivation. Es ist schlicht die Art, wie unser Gehirn funktioniert. Und genau deshalb lohnt sich der Blick auf Brain-Based Learning.
Unser Gehirn liebt unterhaltsame Lerninhalte
Die Lernforschung beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Frage, warum Wissen so schnell wieder verloren geht. Bereits Hermann Ebbinghaus zeigte 1885 mit seiner Vergessenskurve, dass ein Großteil neuer Informationen innerhalb kürzester Zeit vergessen wird: Nach 24 Stunden sind oft schon rund 70 % der Inhalte verschwunden.
Das klingt erstmal ernüchternd. Gleichzeitig zeigt es aber auch etwas Wichtiges: Unser Gehirn filtert permanent.
Es entscheidet blitzschnell:
- Was ist relevant?
- Was lohnt sich zu speichern?
- Was darf wieder verschwinden?
Genau deshalb reicht reine Informationsvermittlung selten aus. Lernen wird erst dann nachhaltig, wenn Inhalte aktiviert, emotional verknüpft und in einen Kontext eingebettet werden.
Warum das gerade jetzt wichtig ist
Natürlich verändert künstliche Intelligenz gerade viele Bereiche unseres Alltags und unserer Arbeitswelt. KI kann Prozesse beschleunigen, Inhalte zugänglicher machen und neue kreative Möglichkeiten eröffnen. Aber gerade deshalb wird eine andere Frage immer wichtiger: Wie erhalten wir unsere eigenen kognitiven Fähigkeiten aktiv?
Unser Gehirn bleibt leistungsfähig, wenn es gefordert wird. Aufmerksamkeit, Problemlösung, Kreativität, soziale Interaktion oder räumliches Denken entstehen nicht durch passiven Konsum, sondern durch Aktivität. Brain-Based Learning versteht Lernen deshalb nicht als bloßes Speichern von Informationen, sondern als biologischen Aufbauprozess.
Donald Hebb formulierte es bereits 1949 mit dem bekannten Satz: „Neurons that fire together, wire together.“ Oder einfacher gesagt: Verbindungen im Gehirn entstehen und festigen sich dann, wenn wir aktiv handeln, erleben, wiederholen und verknüpfen.
Die drei neurobiologischen Hebel für nachhaltiges Lernen
Unser Ansatz: Lernen als Erlebnis gestalten
Genau hier setzen wir bei Actionbound an. Nicht als Gegenmodell zur Digitalisierung oder zu KI – sondern als Teil davon.
Wir glauben, dass digitale Technologien dann besonders wirksam sind, wenn sie Menschen aktiv ins Erleben bringen. Deshalb verbinden wir digitale Inhalte mit echten Orten, sozialen Interaktionen und spielerischen Herausforderungen. Aus Informationen werden Aufgaben, aus Orten Lernräume und aus passiven Zuhörer:innen aktive Teilnehmende. Wie effektiv das sein kann, zeigt sich in ganz unterschiedlichen Einsatzbereichen: Beim Onboarding entdecken neue Mitarbeitende ihre Arbeitsumgebung eigenständig und erleben Unternehmenskultur direkt im Alltag. In Museen oder außerschulischen Lernorten setzen sich Besucher:innen aktiv mit Geschichten und Perspektiven auseinander. Und in Schulen oder Hochschulen entstehen Lernmomente, die durch Bewegung, Zusammenarbeit und Kontext deutlich nachhaltiger wirken als reine Wissensvermittlung.
Lernen braucht Aktivierung
Die wichtigste Erkenntnis aus unserem Vortrag lässt sich so zusammenfassen: Unser Gehirn ist eher der anspruchsvolle Typ und möchte nicht einfach nur konsumieren. Es möchte entdecken, verknüpfen, ausprobieren und erleben. Gerade in einer Zeit, in der Wissen jederzeit verfügbar scheint, wird genau das immer relevanter. Nicht die reine Informationsmenge entscheidet über Lernen – sondern die Qualität der Erfahrung. Oder anders gesagt: Wenn Lernen nichts auslöst, bleibt auch nichts hängen!